Chronik

anno 1467 – erstes Schachturnier in Deutschland

Im Nördlinger Stadtarchiv findet sich ein einzigartiges historisches Dokument: das Einladungsschreiben der Gesellschaft des Schachzabelspiels zu Heidelberg an die Freunde des königlichen Spiels in Nördlingen. Darin bitten die Heidelberger mit freundlichem Ernst, Ihr wollet denjenigen in Eurer Stadt, sie seien edel oder unedel, die Schachzabelspiel und gute Gesellschaft pflegen und üben wollen,… zu wissen tun, dass sie sich hier gegen Heidelberg verfügen, auf den nächsten St. Matthäustag, um auf den anderen Tag eins zu werden, wie es mit dem Ziehen gehalten werden soll.

Als sich 504 Jahre später, am 28. November 1971, die Naberner Erste zum ersten Punktspiel als Schachfreunde auf den Weg nach Neckartenzlingen machte, gab es keine umständlichen Verhandlungen, wie es mit dem Ziehen gehalten werden soll, und man konnte sich sofort an das Brett setzen. Dagegen galten 1467 in verschiedenen Landesteilen durchaus noch unterschiedliche Regeln. So war es in besonders frommen Gegenden nur dann erlaubt, einen Bauern in eine Dame zu verwandeln, wenn der Spieler keine andere Dame auf dem Brett hatte. Begründung: Der König darf nicht zwei Damen haben.

Aus dem Einladungsschreiben geht weiter hervor, dass Preisgeld und der Schutz in der damaligen Zeit eine große Rolle spielten: Wir tun Euch zu wissen, dass wir vom durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herren: Friedrich Pfalzgrafen bei Rhein, Herzog in Bayern, des heiligen römischen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, unserem gnädigen, lieben Herrn, erworben haben eine Gesellschaft und ein Schachzabelspiel vorzunehmen und darin mit seinen Gnaden mit Euch und anderen guten Freunden und Gesellen zu üben. Dieser Kurfürst Friedrich von der Pfalz, der offenbar selbst am Wettkampf teilnehmen wollte, stiftete ein Preisgeld von 22 Gulden und versprach, dass er denen, die also zu dem Schachzabelspiel kommen und um das Kleinod ziehen werden, Futter und Mahle die Zeit über, die das Spiel währen wird, geben und auch allen denselben in seiner Gnaden Land sicheres Geleit in einem besonderen Brief zuschicken will.

Im Jahre 1971 waren die Zeiten wesentlich ruhiger und der damalige Landesherr Hans Filbinger musste kein sicheres Geleit garantieren. Andererseits fehlte auch das ausgesetzte Kleinod von 22 Gulden, wovon die Naberner, die mit 7,5 zu 0,5 siegten, einen Großteil mit nach Hause hätte nehmen können, Selbst Futter und Mahle musste selber mitgebracht werden.

Wie der erste Schachkampf zwischen Heidelberg und Nördlingen ausging, verschweigt die Chronik leider. Dafür wissen wir aber, wer die ersten Punkte für die Schachfreunde als e.V. holte: Es waren die Spieler: Stromeyer, Jäger, Harbort, Moll, Eisenhuth, Schulz, Gegner und Gebers.

Hans Martin Ruopp, 2004